Prompting verstehen – ein Wort wird zur zentralen KI-Schnittstelle

Bessere Prompts führen zu besseren Output

Autoren: Sezer Rodoplu und Thomas W. Frick (LinkedIn-Profil / Xing-Profil)

Wer heute mit KI (Künstliche Intelligenz) arbeitet, stößt unweigerlich früher oder später auf die Frage, was sich eigentlich hinter dem Begriff Prompt oder Prompten verbirgt. Was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt – eine Texteingabe, ein paar konkrete Sätze darüber, was man wissen oder gelöst haben möchte – entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als entscheidender Faktor für die zielgerichtete und effektive Arbeit mit KI-Systemen. Dieser Artikel erklärt einfach das Prompt Engeneering mit einfach nachvollziehbaren Erklärungen.

Genau dort, am Eingabefeld des Prompts, entscheidet sich, ob die KI wirklich hilfreich ist – oder ob sie sich wie eine Blackbox anfühlt, die irgendwas Passendes ausspuckt. Die gängige Formel „Je besser der Input, desto besser der Output“ gibt zwar eine Richtung vor, lässt aber die konkrete Frage nach dem ‚Wie‘ im Vagen.

Hinweis: Einschlägige Portale bieten Frameworks für gut strukturierte Prompts an (Spezifizität, Kontext, relevante Daten), fügen aber letztlich den Disclaimer hinzu, dass man sich durch situatives Ausprobieren an das beste Ergebnis herantasten müsse.

Es überrascht daher nicht, dass sich die Suche nach dem vermeintlich perfekten Prompt für eine spezifische Anwendung wie die Suche nach dem Heiligen Gral anfühlt. Sinnvoller ist allerdings ein Perspektivwechsel:

Ein Prompt ist nämlich kein Befehl im klassischen Sinne der Datenverarbeitung, der ein festgelegtes Ergebnis hervorbringt, sondern ein Kontext, der dem KI-System zur Verfügung gestellt wird. Wer versteht, wie KI diesen Kontext verarbeitet, kann Prompts gezielt konstruieren – statt nur zu raten.

Ein Prompt ist Anstoß anstatt eine Anweisung

Im Englischen bezeichnete „prompt“ ursprünglich etwas Unmittelbares, einen Anstoß, eine Bereitschaft zur Reaktion. In der Pädagogik oder im kreativen Schreiben war ein Prompt nie der Inhalt selbst, sondern der Impuls, der Denken in Gang setzte. Auch in der Informatik war der Begriff früh präsent:

Ein Command Prompt oder Shell Prompt signalisierte schlicht, dass ein System zur Eingabe bereit war. Es versprach keine Intelligenz, keine Interpretation, keine Kontrolle – nur Offenheit.

Genau diese Bedeutung passt erstaunlich gut zur KI. Man hätte auch andere Wörter nehmen können, wie z.B. Befehl, Anweisung, Anfrage. Aber die klingen so, als würde das System „gehorchen“. Das tut ein Sprachmodell nicht. Es führt keine Befehle aus. Es berechnet Text.

Was ein Prompt technisch wirklich bedeutet

Technisch gesehen ist ein Prompt im Grunde genommen eine Abfolge von Tokens – also kleine Spracheinheiten, mit denen ein Large Language Model (LLM) arbeitet. Dabei legt der Prompt den Startpunkt fest, von dem aus das Modell dann die wahrscheinlichste Fortsetzung berechnet. Man könnte auch sagen:

Ein Prompt ist eigentlich kein Befehl im klassischen Sinn, sondern eher so etwas wie eine Kontextweiche. Das Modell nimmt diesen Kontext und nutzt dabei all die Muster, die es beim Training gelernt hat, um dann Wort für Wort eine Antwort zu basteln, die statistisch gesehen am besten passt.

Rechnen statt Verstehen

Ein LLM versteht Sprache nämlich nicht wirklich – jedenfalls nicht so, wie wir das tun. Stattdessen arbeitet es mit Beziehungen zwischen Tokens, die es vorher aus riesigen Textmengen extrahiert hat. Dabei besteht jedes dieser Modelle aus Milliarden von Parametern – das sind im Prinzip numerische Gewichte, die festhalten, wie stark bestimmte Sprachkontexte miteinander zusammenhängen. Wenn das Modell nun eine Antwort generiert, wählt es bei jedem einzelnen Schritt das nächste Token nach Wahrscheinlichkeit aus. Deshalb funktionieren präzise Prompts oft auch deutlich besser: Sie grenzen schlichtweg die Wahrscheinlichkeitslandschaft ein und geben dem Modell dadurch eine klarere Richtung vor.

Mustererkennung, keine echte Bedeutung

Was ein LLM eigentlich macht, ist letztlich Muster erkennen. Allerdings sind diese Muster keine festen Bedeutungen im philosophischen Sinn, sondern eher sowas wie Familienähnlichkeiten zwischen Textfragmenten aus den Trainingsdaten. Ein Prompt dient dazu diese Muster zu aktivieren, indem er das Modell quasi in einen bestimmten semantischen Bereich schubst.

Wichtig: Unscharfe Prompts aktivieren eher breite, diffuse Musterfelder – und entsprechend vage fällt dann auch das Ergebnis aus. Je näher der Prompt allerdings an relevantem Trainingsmaterial liegt, desto verlässlicher wird normalerweise auch der Output.

Warum manche Worte mehr wiegen als andere

Die Parameter im Modell speichern dabei keine Inhalte ab, sondern Beziehungen. Begriffe, die in Trainingstsexten häufig zusammen auftauchen, sind im Modell schlichtweg dichter miteinander verknüpft. Genau das erklärt auch, warum Prompting in fachlich klar umrissenen Kontexten besser funktioniert als bei zufälligen Wortkombinationen. Wenn nämlich Prompt und gewünschter Output auf bereits bekannten Strukturen aufbauen, navigiert das Modell den Textraum einfach deutlich sicherer an.

Schwammige Prompts bringen schwammige Antworten (Shit in – Shit out)

Ein vage formulierter Prompt lässt nun mal einfach zu viel Spielraum offen. Das Modell trifft dann entsprechend viele gleichwertige Entscheidungen, und die Antwort wirkt zwar irgendwie korrekt, ist aber letztlich völlig beliebig. Das ist übrigens kein Fehler im System, sondern vielmehr eine logische Folge fehlender Einschränkungen. Gute Prompts hingegen reduzieren diesen Freiheitsgrad gezielt – und zwar durch eine klare Zielsetzung, passenden Kontext und sinnvolle Eingrenzungen.

Wie ein guter Prompt aufgebaut ist

Ein solider Prompt braucht folglich nur drei zentrale Dinge:

  • Zieldefinition – Was genau soll dabei rauskommen?
  • Kontext – In welchem Rahmen bewegen wir uns hier überhaupt?
  • Einschränkungen – Was soll explizit vermieden oder priorisiert werden?

Das ist am Ende tatsächlich wichtiger als schöne Formulierungen oder literarischer Schnickschnack. Ein Prompt funktioniert nämlich am besten, wenn man ihn wie ein technisches Interface behandelt – also klar, begrenzt und wiederholbar.

Tonalität – Wie etwas rüberkommt, nicht ob’s stimmt

Die Tonalität eines Prompts ändert zwar nichts am Wahrheitsgehalt der Antwort, aber sehr wohl daran, wie brauchbar sie letztendlich ist. Bei technischen Outputs wie Code spielt das ehrlich gesagt kaum eine Rolle. Bei Erklärungen oder Analysen dagegen macht der Ton oft genug den Unterschied zwischen lesbar und unbrauchbar aus. Tonalität ist insofern letztlich ein Darstellungsparameter, kein echtes Qualitätsmerkmal.

Warum LLMs so ungern „Nein“ sagen

Diese Systeme sind ja darauf trainiert, möglichst hilfreich zu sein. Deshalb versuchen sie selbst aus widersprüchlichen oder geradezu absurden Prompts noch irgendwas halbwegs Sinnvolles zu machen.

Tipp: Ein klares „Nein“ kriegt man eigentlich nur dann, wenn der Prompt explizit auf Prüfung oder Widerspruch ausgelegt ist.

Prompting ist Interface-Design

Letztlich ist Prompting also mehr als nur einen auf ein Ergebnis gerichteten Text schreiben. Es ist vielmehr die Gestaltung einer Schnittstelle zwischen menschlichem Denken und KI-System – ganz ähnlich wie beim Design einer API in der Softwareentwicklung. Gute Interfaces minimieren dabei Mehrdeutigkeit und maximieren gleichzeitig Präzision. Für alle, die KI produktiv einsetzen wollen, ist das mittlerweile tatsächlich eine echte Kernkompetenz geworden.

Es gibt nie nur einen Prompt

In der Praxis existiert nämlich nie nur ein isolierter Prompt. Moderne LLM-Systeme arbeiten vielmehr mit mehreren Ebenen gleichzeitig. Ein System-Prompt legt zunächst globale Leitplanken fest, ein Entwickler-Prompt definiert dann App-spezifische Regeln, und erst danach kommt der User-Prompt überhaupt ins Spiel. Viele Effekte, die man instinktiv „dem Prompt“ zuschreibt, entstehen allerdings eigentlich auf einer ganz anderen Ebene. Wer Prompting also professionell nutzen will, muss verstehen, dass der sichtbare Prompt oft nur die letzte Schicht eines bereits stark vorgeformten Kontexts ist. 

Ergänzendes Fazit für ambitionierte Prompter

Versteht man Prompting also als eine Form der Systemsteuerung, zeigt sich, dass es letztlich weder Magie noch reine Formulierungskunst ist, sondern dass die Sprache hier als technisches Interface dient. Die effiziente Wirksamkeit entsteht letztlich aus dem Zusammenspiel von Semantik, Struktur, Parametern und Kontext – und genau deshalb lässt es sich auch systematisch verbessern.

Wer Prompting aus dieser Perspektive versteht, gewinnt nicht nur ein besseres Verständnis für KI-Systeme, sondern gleichzeitig auch für deren realistische Grenzen. Und das ist vielleicht tatsächlich der wichtigste Punkt. Es geht nämlich gar nicht darum, perfekte Kontrolle über ein probabilistisches System zu erlangen – das wäre ja ohnehin ein Widerspruch in sich. Vielmehr geht es darum zu verstehen, wie man LLMs gezielt lenken kann, ohne sich dabei über ihre fundamentalen Eigenschaften hinwegzutäuschen.

Dieses Verständnis macht letztlich den Unterschied zwischen Frustration und produktivem Einsatz aus und weist den Weg aus bloßem Rätselraten und der Hoffnung heraus, hin zur strategischen Nutzung, zu tatsächlichem Wissen und wirklich hilfreichen Ergebnissen. Denn wer die Mechanik hinter dem System durchschaut, arbeitet nicht mehr nach Gefühl oder durch Versuch und Irrtum – sondern gezielt und nachvollziehbar.

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