EU AI Act Frist ist am 2. August 2026 in Kraft getreten

EU AI ACT Frist 2. August 2026

Am 2. August 2026 traten weitere zentrale Vorschriften des EU AI Acts in Kraft. Viele Unternehmen prüfen jetzt die genauen Regeln für ihren KI-Einsatz. „Wir nutzen doch nur ChatGPT.“ Dieser Satz erklingt oft bei Mitarbeiterbefragungen. Genau an diesem Punkt entsteht häufig der entscheidende Denkfehler. Der EU AI Act teilt Akteure nicht bloß in Entwickler sowie Anwender ein. Die Verordnung bindet rechtliche Vorgaben vielmehr direkt an das genaue Ziel des KI-Einsatzes. Ohne genaue Kenntnis der eigenen Risikokategorie geraten Transparenz- und Dokumentationspflichten leicht aus dem Blickfeld. Manche Betriebe diskutieren noch über den Nutzen von KI, während andere bereits verbindliche Regelungen anwenden. Die Leichtfertigkeit gegenüber Fristen, Risikoklassen sowie Kennzeichnungspflichten führt zu Compliance-Problemen, wie die Einführungszeit bei der DSGVO schon zeigte. Oft bleibt der Perspektivenwechsel aus, indem sich mit der Frage beschäftigt wird, wie wichtig die Einhaltung dieser neuen gesetzlichen Vorschriften, für das Vertrauen bei den Kunden ist. Dieser Artikel informiert und fasst die wichtigsten Punkten zusammen.

Autor: Thomas W. Frick (LinkedIn-Profil / Xing-Profil)

Vorab: Was ist der Unterschied zwischem dem EU AI Act und dem EU AI Pact?

In den letzten Monaten hört man immer häufiger vom EU AI Act und vom EU AI Pact. Viele Unternehmen werfen beide Begriffe in einen Topf, dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied.

  • Der EU AI Act ist eine europäische Verordnung und damit verbindliches Recht. Unternehmen müssen sich daran halten, wenn sie KI-Systeme einsetzen, die in den jeweiligen Anwendungsbereich fallen.
  • Der EU AI Pact hingegen ist eine freiwillige Initiative der Europäischen Kommission. Unternehmen können sich damit frühzeitig dazu bekennen, die Anforderungen des AI Acts bereits vor den gesetzlichen Fristen umzusetzen.

Der AI Pact ist demnach kein neues Gesetz. Er zeigt jedoch eine Entwicklung, die viele Unternehmen unterschätzen:

KI-Verantwortung wird nicht irgendwann kommen. Sie beginnt bereits jetzt.

Warnung: Viele Unternehmen nutzen bereits heute KI oft ohne klare Regeln, ohne Dokumentation und ohne zu wissen, welche Anwendungen überhaupt relevant für den EU AI Act sind.

Entscheidend ist wie und für was die KI genutzt wird!

Ein Mitarbeiter, der ChatGPT für eine Ideenliste nutzt, befindet sich in einer völlig anderen Situation als eine Personalverantwortliche, die KI zur Bewertung von Bewerbern heranzieht. Ebenso wir der KI-Einsatz anders bewerten, wenn im Gesundheitswesen, die künstliche Intelligenz für medizinische Analysen eingesetzt wird.

Die wichtigste Frage lautet nicht: Nutzen Sie die KI? Sondern Wie nutzen Sie die künstliche Intelligenz?

Denn genau danach entscheidet sich, welche Anforderungen gelten. Nicht das KI-Werkzeug entscheidet über das Risiko. Der konkrete Einsatz entscheidet.

Warum der 2. August 2026 für Unternehmen wichtig ist?

Die EU AI ACT Timeline

Der EU AI Act wurde nicht an einem einzigen Tag aktiv. Die Umsetzung erfolgte schrittweise.

1. August 2024
1. August 2024

Der EU AI Act tritt in Kraft

Die Verordnung wurde  offiziell gültig.

Damit begann die Übergangsphase, in der Unternehmen prüfen sollten, welche KI-Anwendungen sie einsetzen und welche Anforderungen künftig relevant werden.

2. Februar 2025
2. Februar 2025

Erste Regeln gelten hinsichtlich KI-Kompetenz

Seit diesem Zeitpunkt gelten unter anderem:

  1. Verbote bestimmter KI-Anwendungen mit unannehmbarem Risiko.
  2. Anforderungen an die KI-Kompetenz von Mitarbeitenden.

Gerade der zweite Punkt wird häufig unterschätzt.

Unternehmen müssen sicherstellen, dass Personen, die mit KI arbeiten, über ausreichendes Wissen verfügen, um KI sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen.

Es geht nicht darum, jeden Mitarbeiter zum KI-Experten auszubilden.

Es geht darum, Chancen, Grenzen und Risiken zu verstehen.

 

2. August 2026
2. August 2026

Der große Umsetzungsschritt

Ab diesem Zeitpunkt greifen weitere zentrale Regelungen des EU AI Acts.

Besonders relevant werden:

  1. Anforderungen an Hochrisiko-KI-Systeme.
  2. Transparenz- und Kennzeichnungspflichten.
  3. Weitere organisatorische Anforderungen.

Für viele Unternehmen ist dies der Zeitpunkt, an dem aus einem „KI ausprobieren“ ein professioneller KI-Einsatz werden muss.

Für sogenannte General Purpose AI (GPAI) gelten weitere Vorgaben.

Dazu gehören große KI-Modelle wie beispielsweise ChatGPT, Claude oder Gemini. Die Hauptverantwortung liegt hier zunächst bei den Anbietern dieser Modelle.

Für Unternehmen bedeutet es jedoch:

Sie sollten wissen, welche KI-Dienste sie einsetzen und welche Daten dabei verarbeitet werden.

 

Die vier Risikokategorien des EU AI Act

Der EU AI Act verfolgt eine Bewertung anhand des potenziellen KI-Risikos.

Merke: Je größer die möglichen Auswirkungen einer KI-Anwendung auf Menschen sind, desto höher sind die Anforderungen.

1. Unannehmbares Risiko | Verbot!

Bestimmte KI-Anwendungen sind in der EU grundsätzlich nicht erlaubt.

Beispiele für KI-Nutzungsverbote:

  • manipulative KI-Systeme, die Menschen gezielt beeinflussen
  • bestimmte Formen des Social Scoring
  • bestimmte biometrische Anwendungen

Der EU AI Act schreibt vor, dass KI-Systeme mit dem Ziel dieser KI-Nutzung, bzw. der Einsatzgebiete nicht eingesetzt werden dürfen.

2. Hochrisiko-KI | Höchste Anforderungen

Stichpunktartig listen wir Beispiele für diese KI-Risikoklasse, gemäß des EU AI Acts auf:

  • KI zur Bewerberauswahl
  • automatische Personalbewertung
  • Kreditentscheidungen
  • medizinische Anwendungen
  • kritische Infrastruktur
  • bestimmte Anwendungen in Bildung oder Verwaltung

Unternehmen müssen unter anderem sicherstellen:

  1. Eine Risikobewertung.
  2. Eine KI-Prozess-Dokumentation.
  3. Eine Qualitätskontrolle der Daten.
  4. Die Option im KI-Prozess, dass Menschen jederzeit eingreifen können.
  5. Überwachung der KI-Ergebnisse.

Ziel im Sinne von HITL: KI soll bei Entscheidungen unterstützen, jedoch soll der Mensch die Kontrolle und Verantwortung behalten.

3. Begrenztes Risiko | Transparenz erforderlich!

Viele Anwendungen im Alltag fallen in diese Kategorie.

Beispiele:

  • Chatbots
  • KI-Assistenten
  • KI-generierte Inhalte

Das Ziel: Hier geht es vor allem darum, Transparenz zu schaffen. Menschen sollen erkennen können, wenn sie mit einer KI kommunizieren oder KI-generierte Inhalte erhalten.

4. Minimales Risiko | Normale Nutzung!

In diese Risikoklasse gehören KI-Anwendungen wie z.B.:

  • Spamfilter
  • Rechtschreibkorrekturen
  • Recherche-Tools.
  • Empfehlungssysteme

Anforderung: Bei diesen KI-Anwendungen gibt es nur geringe Anforderungen.

Kennzeichnungspflichten für die KI-Transparenz

Muss jeder KI-Text gekennzeichnet werden?

Diese Frage beschäftigt aktuell viele Unternehmen.

Antwort: Nein, nicht jeder interne KI-generierte Text muss automatisch gekennzeichnet werden.

Entscheidend ist der Zusammenhang.

Ist ein Chatbot auf einer Internetseite kennzeichnungspflichtig?

Ein Kunde sollte erkennen können, dass er mit einer KI kommuniziert.

Besteht eine Kennzeichnungspflicht bei KI-generierte Bilder oder Videos?

Bei künstlich erzeugten oder veränderten Inhalten können Transparenzpflichten entstehen, insbesondere bei sogenannten Deepfakes. Damit ist gemeint, dass sobald das KI-Ergebnis täuschend echt und kaum unterscheidbar ist von einem realen Menschen, dies gekennzeichnet werden sollte. Im anderen Fall, ist z.B. eine Comic-Illustration, für die Betrachter ersichtlich, dass es sich nicht um einen echten Menschen handelt.

Öffentliche Kommunikation

Wenn KI-Inhalte veröffentlicht werden und Menschen dadurch beeinflusst werden könnten, spielen Kennzeichnungspflichten eine größere Rolle.

Was sind die größten EU AI Act Irrtümer?

„Wir nutzen doch nur ChatGPT.“

Genau hier beginnt häufig das Problem.

Denn KI ist heute nicht nur ChatGPT. Viele Unternehmen nutzen bereits Alternativen oder ergänzende Lösungen, wie z.B.:

  • Microsoft Copilot
  • Gemini
  • Claude
  • Perplexity
  • KI-Funktionen in CRM-Systemen
  • KI in Marketing-Tools
  • KI in Office-Anwendungen

Die Frage lautet nicht: „Nutzen wir KI?“ sondern „Wo steckt überall KI in unseren Prozessen?“

„Unser IT-Dienstleister kümmert sich darum.“

Technische Sicherheit und rechtliche Verantwortung sind zwei unterschiedliche Themen.

Ein Dienstleister kann Systeme bereitstellen.

Merke: Die Verantwortung für den eigenen Einsatz bleibt beim Unternehmen.

„KI entscheidet bei uns nichts.“

Auch unterstützende Systeme können relevant sein.

Tipp: Wenn KI Vorschläge erstellt, priorisiert oder bewertet, sollte geprüft werden, welche Rolle sie im Prozess übernimmt.

Welche Konsequenzen drohen bei Verstößen?

Der EU AI Act ist, ähnlich wie die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), kein unverbindlicher Leitfaden.

Bei Verstößen können empfindliche Bußgelder entstehen. Die maximale Höhe kann betragen:

VerstoßMögliche Höchststrafe
Verbotene KI-Praktiken.bis zu 35 Millionen Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes.
Verstöße gegen andere Pflichten des EU AI Acts.bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes.
Falsche Angaben gegenüber Behörden.bis zu 7,5 Millionen Euro oder 1,5 % des weltweiten Jahresumsatzes.

Wie bei der DSGVO wird die tatsächliche Strafe von verschiedenen Faktoren abhängen:

  • Schwere des Verstoßes
  • Unternehmensgröße
  • Vorsatz oder Fahrlässigkeit
  • Zusammenarbeit mit Behörden

Die Botschaft ist eindeutig: KI benötigt künftig klare Regeln.

Die ersten fünf Schritte zu EU AI Act Komformität

1. KI-Inventur durchführen

Welche Tools werden tatsächlich genutzt?

2. Risiken bewerten

Welche Anwendungen betreffen Kunden, Mitarbeitende und sensible Daten?

3. Regeln definieren

Folgende Regeldefinition empfehlen sich als Erstes:

  1. Welche Abteilung oder welche Mitarbetier dürfen KI im Unternehmen nutzen?
  2. Was genau darf genutzt werden?
  3. Welche Daten dürfen eingegeben werden?

4. Mitarbeitende befähigen

KI-Kompetenz wird zu einer neuen Unternehmenskompetenz, muss gefördert und sollte geschäftsübergreifend ausgebaut werden.

5. Menschliche Kontrolle sicherstellen

KI liefert Geschwindigkeit und kann ein wichtiger Wettbewerbsfaktor werden. Der Mensch ergänzt die rasante Geschwindigkeit durch Verantwortung, Erfahrung und einer Bewertung mit gesundem und ökonomischen Menschenverstand. Langfristig sicher Human in the Loop das Vertrauen von der Kundschaft und stärkt somit die Kundenbindung.

Der EU AI Act ist kein KI-Verbot, sondern ein Aufruf zum professionellem Umgang

Die Zukunft gehört nicht Unternehmen, die KI vermeiden. Sie gehört Unternehmen, die KI verstehen. Der EU AI Act schafft einen Rahmen dafür.

Wer jetzt beginnt, KI strukturiert einzusetzen, schafft nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil.

Mit unseren Initiative AIttention tragen wir einen Teil dazu bei, dass der verantwortliche KI-Umfang sichtbar wird. Unternehmen sollten sich nicht die Frage stellen „Dürfen wir KI-nutzen“, sondern das Ziel haben, die Potenziale der Künstlichen Intelligenz verantwortungsvolll, effizient, datenschutzkonform und unter menschlicher Kontrolle zu nutzen.

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