Digitalisierung im Mittelstand | Entwicklungen & Herausforderungen

Status Quo Digitalisierung im Mittelstand

Digitalisierung im Mittelstand stellt in Deutschland sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung dar. Die Digitalisierung stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und beflügelt den Wachstum. Um die Potenziale zu nutzen, erfordert es jedoch umfangreiche Anpassungen auf allen Ebenen eines Unternehmens. Dieser Artikel gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Entwicklungen und informiert über die Herausforderungen bei der digitalen Transformation.

Autor: Thomas W. Frick (LinkedIn-Profil / Xing-Profil)

Status Quo der Digitalisierung im deutschen Mittelstand

Die digitale Transformation im Mittelstand hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Laut dem aktuellen KfW-Digitalisierungsbericht führten zuletzt 35% der mittelständischen Unternehmen Digitalisierungsprojekte durch.

Investitionen in die Digitalisierung: Auch die Digitalisierungsausgaben sind gestiegen und lagen schon 2023 bei 31,9 Milliarden Euro.

Es gibt große Unterschiede zwischen den Unternehmen:

  • Große Mittelständler investieren deutlich mehr in die Digitalisierung als kleine Unternehmen.
    Auf Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten entfallen 41% der Digitalisierungsausgaben, obwohl sie nur einen kleinen Teil der mittelständischen Unternehmen ausmachen.
  • Vorreiterunternehmen setzen verstärkt auf komplexe Digitalisierungsvorhaben
    Beispielsweise auf die Reorganisation von Arbeitsabläufen. Viele Unternehmen fokussieren sich auf einfachere Maßnahmen wie die Digitalisierung der Kundenkommunikation.
  • Nur 20% der Mittelständler verfügen über eine umfassende Digitalisierungsstrategie.
    Viele Unternehmen gehen die Digitalisierung eher punktuell an.

Übersicht der Projekte und Aktivititäten im Sinne der Digitalisierung

Kompakt zusammengefasst:

  • Digitalisierungsvorhaben für Produkten und Dienstleistungen werden um 20% häufiger durchgeführt als noch vor einigen Jahren.
  • Die Digitalisierung des Kontakts zu Kunden und Zulieferern sowie Maßnahmen zur Reorganisation von Arbeitsabläufen haben ebenfalls zugenommen (+9% bzw. +7%).
  • Die reine Erneuerung von IT-Strukturen und die Einführung neuer IT-Anwendungen ist um 10% zurückgegangen.

Auf Konzernebene werden vergleichsweise einfache Digitalisierungsvorhaben durchgeführt. Vorreiterunternehmen bauen ihren Vorsprung bei komplexen Projekten und dem Aufbau von digitalisierungsrelevantem Know-how weiter aus.

Herausforderungen bei der Digitalisierung

Trotz einer größeren Ausrichtung auf die Digitalisierung, stellen sich dem Mittelstand folgende Herausforderungen:

IT-Fachkräftemangel und fehlendes Know-how

Fehlende IT-Fachkräfte und mangelndes digitales Wissen bremsen die Digitalisierung in Betrieben stark aus. Digital fortgeschrittene Firmen suchen besonders häufig vergeblich nach passendem Personal. Fast die Hälfte aller Betriebe schult daher die eigene Belegschaft und fördert den Wissensaustausch zwischen den Kollegen, um die vorhandenen Fähigkeiten gezielt auszubauen.

Finanzierungsschwierigkeiten

Viele Unternehmen stehen vor größeren Hürden, wenn sie Banken um Geld für Digitalisierungsprojekte bitten, als bei traditionellen Anschaffungen. Dieser Unterschied liegt vor allem an den geringen Ausgaben für greifbare Güter bei digitalen Vorhaben. Nur 37 Prozent des Budgets fließen in Maschinen oder Geräte, was die Stellung von Kreditsicherheiten erschwert.

Strategische Defizite

Viele mittelständische Betriebe digitalisieren ihre Abläufe ohne klaren Zukunftsplan. Lediglich ein Fünftel dieser Firmen arbeitet mit einem vollständigen, schriftlich festgelegten Konzept für den digitalen Wandel. Ohne diesen Leitfaden setzen die Verantwortlichen meist nur einzelne, voneinander getrennte Maßnahmen um, anstatt den gesamten Betrieb als Einheit zu betrachten.

Cybersicherheit

Mit zunehmender Digitalisierung wächst auch die Gefahr von Cyberangriffen. 29% der mittelständischen Unternehmen wurden z.B. zwischen 2018 und 2020 Opfer von Cyberkriminalität. Besonders betroffen sind große Unternehmen und digitale Vorreiter.

Strategien zum Abbau von Digitalisierungshürden

Folgende Strategien empfehlen sich, um die Digitalisierung weiter voranzutreiben:

  1. Verstärkte Investitionen in Aus- und Weiterbildung, um dem technologischem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
  2. Nutzung alternativer Finanzierungsinstrumente wie Förderprogramme oder Venture Capital.
  3. Entwicklung einer umfassenden Digitalisierungsstrategie als Grundlage für zielgerichtete Maßnahmen.
  4. Ausbau von Cybersicherheitsmaßnahmen z.B. Sensibilisierung der Mitarbeiter.
  5. Kooperationen mit Startups oder Forschungseinrichtungen zum Wissenstransfer.

Zukunftsaussichten der Digitalisierung im Mittelstand

Für die Zukunft werden folgende Trends die Digitialisierung vorantreiben:

  • Künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IoT) und Plattformökonomie werden an Bedeutung gewinnen.
  • Die Digitalisierung von Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten wird weiter voranschreiten.
  • Der Aufbau digitaler Kompetenzen wird noch stärker in den Fokus rücken.
  • Die Kluft zwischen digitalen Vorreitern und Nachzüglern könnte sich weiter vergrößern.

Mittelständische Unternehmen müssen sich schneller digitalisieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Dieser Prozess bietet viele Chancen, bringt aber auch handfeste Probleme mit sich, die eine aktive Lösung erfordern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie digital ist der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich?

Deutsche mittelständische Unternehmen belegen beim Digitalisieren im weltweiten Vergleich einen Platz im Mittelfeld. Untersuchungen zeigen deutsche Betriebe bei der Nutzung digitaler Techniken auf einer Höhe mit dem europäischen Durchschnitt. Beim Erforschen sowie Entwickeln dieser Technologien hinkt Deutschland den Vorreitern deutlich hinterher. Ein Aufholen erfordert wesentlich höhere Geldbeträge für die digitale Technik.

Welche Branchen im Mittelstand sind Vorreiter bei der Digitalisierung?

Technologieorientierte Branchen wie die IT- und Kommunikationswirtschaft oder der Maschinenbau nutzen digitale Werkzeuge bereits intensiv. Auch Handelsbetriebe und unternehmensnahe Dienstleister arbeiten oft mit modernen digitalen Systemen. Dagegen nutzen klassische Handwerksbetriebe oder das Baugewerbe diese Technologien bisher seltener und verarbeiten ihre Daten oft noch manuell. Innerhalb der einzelnen Branchen arbeiten die Betriebe allerdings sehr unterschiedlich, wodurch einige Vorreiter ihren Konkurrenten weit vorauslaufen.

Wie können kleine Unternehmen die Finanzierung von Digitalisierungsprojekten stemmen?

Kleine Unternehmen nutzen verschiedene Wege, um ihre Ziele zu erreichen:

Wichtig ist eine sorgfältige Planung und Priorisierung der Digitalisierungsvorhaben, um die verfügbaren Ressourcen optimal einzusetzen.

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